ASH 2025

MRD-negative Ergebnisse nach einer in vivo-Gentherapie zur Erzeugung von anti‑BCMA‑CAR‑T‑Zellen bei Patientinnen und Patienten mit RRMM: Vorläufige Ergebnisse der inMMyCAR‑Studie, der ersten klinischen Phase‑1‑Studie von KLN‑1010


“MRD-negative outcomes following a novel, in vivo gene therapy generating anti–BCMA CAR-T cells in patients with RRMM: Preliminary results from inMMyCAR, the first-in-human Phase 1 study of KLN-1010”

Abstract: LBA-1
Oral-Präsentation:
Blog-Post:

Referentin:
Phoebe Joy Ho, MBBS, DPhil, FRACP, FRCPA - Royal Prince Alfred Hospital, Australia

Die Anwendung von ex vivo CAR‑T‑Zelltherapien hat die Behandlung des Multiplen Myeloms bereits deutlich vorangebracht. Dabei werden T‑Zellen eines Patienten entnommen, außerhalb des Körpers gentechnisch verändert, vermehrt und nach einer vorbereitenden Chemotherapie wieder zurückgegeben. Diese Zellen können dann gezielt Krebszellen erkennen und zerstören. Allerdings ist dieser Prozess sehr aufwändig: Er dauert mehrere Wochen, erfordert viele einzelne Schritte.

Die inMMyCAR‑Studie untersucht jetzt einen neuen Ansatz. Anstatt die T‑Zellen außerhalb des Körpers zu verändern, werden sie mithilfe einer speziellen Gentherapie direkt im Körper aktiviert. Dafür werden winzige Trägermoleküle – sogenannte Lentivirus‑Partikel – eingesetzt, die den T‑Zellen die nötige Information geben, um selbst zu CAR‑T‑Zellen zu werden. Der große Vorteil: Es ist keine vorbereitende Chemotherapie nötig, die Behandlung kann schneller starten, verläuft einfacher und ist für mehr Menschen zugänglich. Außerdem bleiben die T‑Zellen wahrscheinlich „gesünder“, weil sie ihren natürlichen Zustand im Körper behalten.

Der Wirkstoff in dieser Studie heißt KLN‑1010. Er ist eine besonders sichere Form dieser Lentivirus‑Partikel, die nur auf T‑Zellen wirkt und keine anderen Zellen im Körper beeinflusst. In Tierversuchen konnte KLN‑1010 gezielt T‑Zellen aktivieren, das Tumorwachstum bremsen und gleichzeitig langlebige, „erinnerungsfähige“ Immunzellen erzeugen.

In der ersten Phase dieser klinischen Studie nahmen vier Patientinnen und Patienten mit einem mehrfach vorbehandelten, RRMM teil. Alle hatten zuvor mindestens drei verschiedene Behandlungen erhalten, darunter Medikamente aus den Gruppen der Proteasom‑Hemmer, Immunmodulatoren und Anti‑CD38‑Antikörper. Die Behandlung mit KLN‑1010 begann etwa zwei Wochen nach Aufnahme in die Studie – ohne vorbereitende Chemotherapie.

Während der Behandlung traten vorübergehend milde bis moderate Nebenwirkungen auf, darunter Reaktionen auf die Infusion und Zytokinfreisetzungssyndrome (CRS) bis maximal Grad  2. Schwere neurologische Nebenwirkungen oder langanhaltende Blutbildstörungen wurden nicht beobachtet.

Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen. Einige Teilnehmende hatten vorübergehend leichte bis mittlere Nebenwirkungen wie Reaktionen auf die Infusion oder grippeähnliche Symptome. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Bei allen Patientinnen und Patienten konnte man im Blut eine deutliche Vermehrung der CAR‑T‑Zellen feststellen, die nach etwa zwei Wochen ihren Höhepunkt erreichten und über mehrere Monate anhielten. Zudem ließen sich bei allen keine Krebszellen mehr nachweisen – ein sogenanntes MRD‑negatives Ergebnis (10⁻⁶), das als sehr gutes Therapieansprechen gilt.

Zusammenfassung:
Die neue Gentherapie KLN‑1010 ermöglicht es, CAR‑T‑Zellen direkt im Körper zu bilden – ohne vorbereitende Chemotherapie. In dieser ersten Studie zeigte die Behandlung ein gutes Sicherheitsprofil, war gut verträglich und führte zu frühen, tiefen Therapieansprechen. Diese Ergebnisse machen Hoffnung, dass sich CAR‑T‑Behandlungen in Zukunft einfacher, schneller und für mehr Patientinnen und Patienten verfügbar machen lassen.

Weitere Details zur Studie: ASH-Abstract LBA-1