ASH 2025

Wirksamkeit und Sicherheit von Talquetamab + Teclistamab bei Patient:innen mit rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom und extramedullärer Erkrankung: aktualisierte Phase‑2‑Ergebnisse der REDIRECTT‑1‑Studie mit verlängerter Nachbeobachtung.


“Efficacy and safety of talquetamab + teclistamab in patients with Relapsed/Refractory multiple myeloma and extramedullary disease: Updated Phase 2 results from the redirectt-1 study with extended follow-up”

Abstract: 698
Oral-Präsentation:
Blog-Post:

Referent:

Saad Z. Usmani, MD - Memorial Sloan Kettering Cancer, USA

Eine extramedulläre Erkrankung (EMD) tritt bei manchen Patient:innen mit Multiplem Myelom (MM) auf und ist mit einer ungünstigeren Prognose verbunden. Dabei unterscheidet man zwei Formen:

- Paramedulläre Erkrankung (knochenabhängig): Plasmozytome wachsen aus dem Knochen heraus und breiten sich nach Durchbruch der Knochenhülle in das umgebende Weichgewebe aus.

- Echte EMD (knochenunabhängig): Plasmozytome entstehen in Organen oder Weichgeweben, ohne Verbindung zum Knochen. Sie entstehen über die Blutbahn (hämatogene Streuung) und verlaufen meist aggressiver.

Menschen mit echter EMD sprechen deutlich schlechter auf herkömmliche Behandlungen an – die Chance auf ein Ansprechens ist bis zu 87% geringer als bei Myelompatienten ohne EMD.

Neue Therapieansätze:

Talquetamab und Teclistamab sind die ersten zugelassenen bispezifischen Antikörper für Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom (RRMM).

In der RedirecTT‑1‑Studie wird die Kombination dieser beiden Wirkstoffe untersucht. Talquetamab (Tal) und Teclistamab (Tec) binden an unterschiedliche Zielstrukturen der Myelomzellen – GPRC5D und BCMA – und sollen so verhindern, dass sich Tumorzellen durch sogenannte „Antigen-Flucht“ der Therapie entziehen.

Als Einzelwirkstoffe bewirken Tal oder Tec im Schnitt ein progressionsfreies Überleben (PFS) von etwa 5 Monaten für EMD. Durch die Kombination erhofft man sich deutlich bessere Ergebnisse.

Insgesamt nahmen in RedirecTT‑1 90 Patientinnen und Patienten mit bestätigter echter EMD teil.
- Beteiligte Lokalisationen: Lymphknoten, Weichgewebe und Organe.
- Rund 40% hatten eine non‑ oder oligosekretorische Erkrankung.
- 21% galten als Hochrisiko-Myelome.

Frühe Ergebnisse (Nachbeobachtung 12,6 Monate):

Aktuelle Daten (Nachbeobachtung 16,8 Monate):

Bewertung des Therapieerfolgs:
Neben den IMWG-2016-Response-Kriterien wurde eine FDG-PET-5-Punkte-Skala gemäß Deauville und IMPETUS implementiert, um das radiologische Ansprechen zu bewerten:
- Komplettes Ansprechen (CR): Kein Tumor oder nur noch Narbengewebe (PET‑Score 1–3).
- VGPR/PR: ≥90% bzw. ≥50% Größenreduktion in allen Plasmozytomen, begleitet von verminderter PET-Aktivität gegenüber dem Ausgangsbefund.
- Bei non‑sekretorischem Myelom erfolgte die Beurteilung ausschließlich über Bildgebung.

Sicherheit:
- Die Nebenwirkungen unter Tal+Tec entsprechen weitgehend denen der Einzeltherapien.
- Infektionen traten häufig auf, schwere Infektionen (Grad 3/4) blieben vergleichbar mit Tec allein.
- Eine konsequente Infektionsprophylaxe und Unterstützungstherapie ist wichtig.

Fazit:
Die Kombination Tal+Tec zeigt bei Patient:innen mit stark vorbehandeltem Myelom und echter EMD tiefe und dauerhafte Remissionen. Sie könnte einen neuen Standard der Behandlung für diese schwer zu therapierende Patientengruppe darstellen.

Für weitere Informationen: Artikel im NEJM.