ASH 2025
Sicherheit der Lebendimpfung mit Masern‑Mumps‑Röteln (MMR) bei Patienten mit multiplem Myelom unter Daratumumab-Therapie nach autologer Stammzelltransplantation.
“Safety of live-attenuated MMR vaccination in patients with multiple myeloma receiving daratumumab after autologous stem cell transplantation”
Abstract: 408
Oral-Präsentation:
Blog-Post:
Referent: James Davis, PharmD, BCOP - The Medical University of South Carolina, Charleston, SC, USA
Impfungen haben weltweit Millionen Todesfälle verhindert. Nach einer Stammzelltransplantation (SZT) sind Infektionen eine häufige Ursache für schwere Krankheiten oder sogar den Tod. Die Schutzantikörper gegen impfbare Infektionen schwinden mit dem Alter und besonders stark in den Monaten nach der SZT – deshalb ist eine erneute Impfung danach wichtig und wird empfohlen.
Lebendimpfstoffe wie MMR (gegen Masern, Mumps und Röteln) werden normalerweise erst 24 Monate nach der SZT gegeben. Der Grund: Ihr geschwächtes Virus könnte sich bei geschwächtem Immunsystem im Körper stark ausbreiten und gefährlich werden.
In den 1950er Jahren wurden jährlich geschätzt 3 bis 4 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten infiziert. Unter den gemeldeten Masernfällen pro Jahr starben geschätzt 400 bis 500 Menschen. Ein Impfstoff wurde 1963 kommerziell verfügbar. 2000 galt Masern dort als ausgerottet. Am 12. November 2025 wurden bereits 1723 Fälle gemeldet (vor 3 Tagen, über 1800) – die höchste Zahl seit 1992. 92% der Betroffenen waren ungeimpft oder der Status unbekannt; 12% landeten im Krankenhaus, 3 starben. Weltweit: 177.469 Fälle.
Bei MM ist eine autologe SZT mit Lenalidomid-Erhaltung der Standard für viele Patienten. Daratumumab in der Erhaltungsphase wird in Studien getestet (SWOG 1803, AURIGA, CASSIOPEIA, PERSEUS, GRIFFIN). MMR ist ein Lebendimpfstoff, der nach 24 Monaten fällig ist – aber bei Immunschwäche wie unter Daratumumab normalerweise kontraindiziert.
In einer rückblickenden Untersuchung aus 6 US-Universitätskliniken schauten Forscher auf 45 MM-Patienten, die nach auto-SZT trotz Daratumumab die MMR-Impfung (MMR II von Merck & Co.) bekamen. Die Entscheidung traf der Onkologe bei stabilen Patienten. Impfantworten (Schutztiter im Blut) wurden nicht gemessen, da das an den Zentren nicht üblich ist – leider gibt es daher keine Daten zur Wirksamkeit.
Der mediane Zeitraum von der auto-SZT bis zur MMR-Impfung betrug 768 Tage.
45 Patienten wurden untersucht, bei denen insgesamt 53 MMR-Impfungen gegeben wurden. 96% bekamen Daratumumab. 31% als Monotherapie, 63% mit Lenalidomid/Pomalidomid, 6% mit Proteasom-Inhibitor.
Die Ergebnisse:
Es gab keine bestätigten Masern-, Mumps- oder Rötelninfektionen. Keine Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle nach der Impfung.
Nebenwirkungen (bei 16%):
- COVID-19 Infektion: 4%
- Akute Sinusitis: 4%
- Gelenkschmerzen: 2%
- Kopfschmerzen: 2%
- Hautausschlag: 2%
Diese traten median nach 8 Tagen (6–41 Tage) auf.
Einschränkungen der Studie:
Rückblickende Studie mit begrenzter Patientenzahl (45). Keine Messung der Impfantworten vor/nach der Impfung. Leichte Infekte könnten unbemerkt geblieben sein, da Meldung freiwillig war.
Fazit:
Anti-CD38-Antikörper wie Daratumumab werden zunehmend in der Erhaltungstherapie eingesetzt, dank reifender Studiendaten (AURIGA, DRAMMATIC, CASSIOPEIA, PERSEUS, GMMG-HD7). Diese Daten deuten erstmals hin: MMR scheint 24 Monate nach auto-SZT unter Daratumumab sicher zu sein – allein oder kombiniert. Die MMR-Impfung ist besonders wichtig angesichts der steigenden Impfskepsis und des Anstiegs bestätigter Masernfälle in den USA 2024–2025.
Weitere Details zur Studie: ASH-Abstract 408