ASH 2025
Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten geht mit einem geringeren Risiko für den Progress von MGUS zu SMM oder MM in einer großen Real-World-Kohorte einher.
“Glp-1 receptor agonist use is associated with lower risk of progression from MGUS to SMM or MM in a large real-world cohort”
Abstract: 404Oral-Präsentation:
Blog-Post:
Referentin:
Arooj Abidi, MBBS, M.P.H Candidate - Virginia Commonwealth University, School of Public Health, USA
Das Kontinuum MGUS-SMM-MM und Risikofaktoren:
Monoklonale Gammopathie unklarer Bedeutung (MGUS) ist eine häufige Vorstufe von schwelendem Multiplen Myelom (SMM) und symptomatischem Multiplen Myelom (MM). Manche Patienten bleiben jahrelang stabil, bei anderen schreitet die Erkrankung fort.
Wie häufig ist das – und wie groß ist das Fortschreitungsrisiko?
- MGUS betrifft 3–5% der US-Bevölkerung – bei Menschen über 50 noch häufiger.
- Risiko pro Jahr: Bei MGUS ca. 1%, bei SMM bis zu 10%.
- Nur 20% der MGUS-Patienten entwickeln jemals ein MM.
Trotz dieses Wissens fehlen veränderbare Risikofaktoren und etablierte Präventionsstrategien.
Warum ist Prävention so wichtig?
Schon bei MGUS können die abnormalen Proteine Organe schädigen (MGCS: monoklonale Gammopathie klinischer Bedeutung). MGUS kann sich zu MM oder Waldenström-Makroglobulinämie wandeln – mit lebenslanger Therapie, Nierenschäden, Frakturen, Anämie, Neuropathie und starker Einschränkung der Lebensqualität.
Könnten GLP-1-Rezeptoragonisten helfen?
MM zählt zu den 13 Adipositas-assoziierten Krebsarten (einzige hämatologische). GLP-1-RA (bei Diabetes/Adipositas) reduzieren Gewicht, Entzündungen und metabolische Signale. Präklinische Studien deuten auf anti-karzinogene und anti-entzündliche Effekte hin, die Plasmazellen und Knochenmark-Mikroumgebung beeinflussen könnten.
Studie: Reduzieren GLP-1-RA das Fortschreitungsrisiko von MGUS/SMM?
Rückblickende Kohortenstudie im TriNetX-Netzwerk (anonymisierter Krankenakten, 2006–2025):
- Primär: MGUS-Patienten mit vs. ohne GLP-1-RA (1:1-angepasst nach Alter, Geschlecht, Diabetes, Adipositas, Nierenwerte, Entzündungswerte, M-Protein usw.).
- Sekundär: SMM-Patienten mit/ohne GLP-1-RA (Progression zu MM).Ausgeschlossen: Vorheriges SMM/MM.
Methoden: Kaplan-Meier-Überlebenskurven, Cox-Modelle, Risikodifferenzen.
Ergebnisse:
MGUS → SMM (Primäranalyse):
- 6.560 GLP-1-RA-Nutzer vs. 6.894 Kontrollen
- Progression: 2,8% (184 Fälle) vs. 10,4% (718 Fälle)
- Risikoreduktion: 70–75% (HR 0,30; p < 0,0001)
SMM → MM (Sekundär):
- 2.218 GLP-1-RA-Nutzer vs. 3.036 Kontrollen
- Progression: 11,5% (255 Fälle) vs. 20,37% (618 Fälle)
- Risikoreduktion: ~43% (HR 0,63; p < 0,0001)
Was macht die Studie stark?
- Riesige, echte Patientendaten aus vielen Kliniken – für alle Menschen relevant.
- Fairer Vergleich – Gruppen fast identisch.
- Einheitliche Ergebnisse bei allen Analysen.
Was sind die Grenzen?
- Beobachtungsstudie – zeigt Zusammenhang, kein Beweis für Ursache.
- Unbekannte Faktoren (Lebensstil, Einkommen, Medikamententreue).
Fazit:
GLP-1-RA-Nutzer hatten in dieser größten Real-World-Studie ein deutlich geringeres Risiko, dass MGUS/SMM zu MM fortschreitet. Das könnte über Abnehmen und weniger Entzündungen wirken.
Nächste Schritte:
- Geplante Studien mit genauer Überwachung.
- Wie wirkt es genau? (Labortests).
- Welche Dosis/Substanz ist am besten?
Weitere Details zur Studie: ASH-Abstract 404