ASH 2025
Prädiktoren für einen frühen Rückfall nach Ciltacabtagene Autoleucel: Informationen für eine risikobasierte Therapie bei rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom
“Predictors of early relapse following ciltacabtagene autoleucel: Informing risk-adapted therapy in relapsed/refractory multiple myeloma”
Abstract: 93Oral-Präsentation:
Blog-Post:
Referentin:
Doris K. Hansen, MD - H. Lee Moffitt Cancer Center and Research Institute
Was bedeutet „Hochrisiko-Multiples Myelom“ (HRMM)?
Die Definition von Hochrisiko-Multiplen Myelomen (HRMM) wurde kürzlich von der International Myeloma Society (IMS) zusammen mit der International Myeloma Working Group (IMWG) aktualisiert. Das hilft, Patienten zu finden, die trotz neuer Therapien schlechter auf Behandlungen ansprechen. Die neue Regel basiert auf modernen Gentests, klinischen Daten und Risikobewertungen.
Neue Kriterien für Hochrisiko:
Hochrisiko liegt vor, wenn mindestens eines vorliegt:
- del(17p) bei >20% der untersuchten Plasmazellen
- Biallelische del(1p32)
- hoher β2-Mikroglobulin-Spiegel (≥ 5,5 mg/l) bei normalem Kreatinin (< 1,2 mg/dl)
- TP53-Mutation ((ohne Mindest-Schwellenwert für die Variant Allele Frequency)
- Oder zwei von diesen:
- t(4;14) oder t(14;16) oder t(14;20)
- Gewinn/Amplifikation von 1q
- Monoallelische del(1p32)
Warum ist das wichtig?
Bisherige Risikosysteme schauen auf Tumorlast, Gene, Stadium oder Ausbreitung. Aber manche Patienten ohne „klassische“ Risiken (z.B. „funktionelles Hochrisiko“) reagieren trotzdem schlecht und bekommen früh Rückfälle. Frühe Erkennung ist entscheidend. Für diese Gruppe besteht ein dringender Bedarf an früher, klarer Erkennung und gezieltem Management.
Hintergrund der aktuellen Studie
In der CARTITUDE-1-Studie lebten Patienten mit Ciltacabtagene Autoleucel (Cilta-Cel, eine CAR-T-Therapie) median 5 Jahre. 33% waren nach 5 Jahren krebsfrei und ohne neue Therapie. Funktioniert das auch bei Hochrisiko? Um das zu beantworten, wurde die vorliegende Studie durchgeführt.
Studienziel:
Welche Merkmale führen zu frühem Rückfall nach Cilta-Cel? Damit können Therapien besser angepasst werden.
Studiendesign und Kollektiv
Die Studie war multizentrisch und umfasste Patientinnen und Patienten, die im Rahmen der Standardversorgung (SOC) mit Cilta‑Cel behandelt wurden. 786 Patienten starteten (Apherese für CAR-T), 769 bekamen Cilta-Cel, bei 598 lagen Risikodaten vor.
Hochrisiko-Anteile:
- traditionelle Hochrisikomerkmale: 43%
- IMS‑IMWG‑HR (adaptierte Definition): 42%
- Funktionell HR (Rückfall <18 Monate nach 1. Therapie): 33%
- extramedulläre Erkrankung (EMD): 11%
- mindestens 1 Hochrisikomerkmal: 63%
Viele Merkmale überschnitten sich leicht.
Hochrisiko-Patienten hatten: Höhere Krankheitslast, mehr Eisen (Ferritin), öfter frühere BCMA-Therapie, kürzere Zeit seit Diagnose.
Ergebnisse:
Sicherheit ähnlich, aber mehr Nervenprobleme/Infekte (meist mild).
Ansprechen schlechter bei Hochrisiko – und Remissionen weniger tief.
Progressionsfreies Überleben (PFS) nach 12 Monaten (Hochrisiko vs. normal):
- FHR: 55% vs. 79%
- traditionelle HR (THR): 63% vs. 78%
- IMS‑IMWG HR: 61% vs. 80%
- EMD: 59% vs. 73%
- ≥ 1 HR‑Merkmal: 65% vs. 83%
Auch bei nur 1–3 Vortherapien blieb Hochrisiko schlechter (z. B. Funktionell: 54% vs. 84%).
Gesamtüberleben (OS) nach 12 Monaten: Ähnlich schlechter (z. B. Funktionell: 80% vs. 87%). Je mehr Merkmale, desto schlimmer – besonders ≥2.
Selbst bei krebsfreiem Knochenmark (MRD-negativ): Hochrisiko-Patienten hatten kürzeres PFS.
Diese Studie identifizierte klinische und biologische Merkmale, die mit frühem Rückfall und schlechterem Überleben nach Cilta‑Cel bei RRMM verbunden sind. Hochrisikomerkmale gingen mit niedrigeren Ansprechraten und kürzerem Überleben einher. Jedes Hochrisikomerkmal war unabhängig mit schlechterem PFS assoziiert, selbst nach Berücksichtigung von Ferritin, vorausgegangener BCMA‑Therapie und eingeschränktem ECOG‑Status.
Patientinnen und Patienten mit funktionellem Hochrisiko und adaptierter IMS‑IMWG‑HR haben ein anhaltend erhöhtes Risiko für einen frühen Rückfall (≤ 18 Monate nach Infusion). FHR, adaptierte IMS‑IMWG‑HR und EMD waren mit Rückfällen innerhalb von 18 Monaten nach Cilta‑Cel verbunden, nicht aber im Zeitraum danach (mit Ausnahme der EMD).
Diese Ergebnisse können helfen, risikoadaptierte Behandlungsstrategien zu entwickeln – etwa intensivere Bridging‑Therapien, Konsolidierungs‑ oder Erhaltungskonzepte – um die Ergebnisse von Patientinnen und Patienten mit Hochrisiko-MM zu verbessern, ohne Standardrisiko-Patienten unnötig zu übertherapieren.
Weitere Details zur Studie: ASH-Abstract 93