ASCO 2026

Optec/Optal: Eine Phase-2-Studie zur Bewertung der ambulanten, stufenweisen Gabe von Teclistamab (Tec) oder Talquetamab (Tal) mit prophylaktischem Tocilizumab (prophyToci) bei Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom (RRMM).


"Optec/Optal: A phase 2 study to evaluate outpatient (OP), step-up administration of teclistamab (Tec) or talquetamab (Tal) with prophylactic tocilizumab (prophyToci) in patients (pts) with relapsed/refractory multiple myeloma (RRMM).”


ASCO-Abstract: 7510
Oral-Präsentation:
Blog-Post:

Referent: Peter Forsberg - Colorado Blood Cancer Institute, Denver, CO

Hintergrund:
CRS ist bei bispezifischen Antikörpern beim Multiplen Myelom ein bekanntes Problem,. Deshalb werden diese Therapien oft zunächst stationär begonnen.
Frühere Daten hatten bereits gezeigt, dass prophylaktisches Tocilizumab CRS möglicherweise senken kann. OPTec/OPTal hat diesen Ansatz nun in einem ambulanten Setting an 15 Zentren in den USA weiter untersucht. Die meisten dieser Zentren hatten vor der Studie nur wenig Erfahrung mit bispezifischen Antikörpern.

Studiendesign:
OPTec/OPTal war eine zweiarmige Phase-2-Studie. Arm A untersuchte Teclistamab, Arm B Talquetamab. Die Patienten erhielten vor der ersten Aufdosierung eine prophylaktische Tocilizumab-Gabe.
Eingeschlossen wurden Patienten mit mindestens zwei vorherigen Myelomtherapien, darunter eine Exposition gegenüber Proteasom-Inhibitoren, IMiDs und/oder CD38-Antikörpern. Der primäre Endpunkt war das Auftreten von CRS von der ersten Step-up-Dosis bis zum Ende von Zyklus 2. Weitere Endpunkte waren wiederkehrende CRS-Ereignisse, Ansprechrate, Zeit bis zum Ansprechen, Ansprechdauer, progressionsfreies und Gesamtüberleben sowie Infektionen.

Wichtigste Ergebnisse:
Insgesamt wurden 45 Patienten im Teclistamab-Arm und 7 Patienten im Talquetamab-Arm eingeschlossen. Die Patienten waren stark vorbehandelt, mit im Median 5 vorherigen Therapielinien im Teclistamab-Arm und 6 im Talquetamab-Arm. Die große Mehrheit war in beiden Armen triple-refraktär.
Die prophylaktische Tocilizumab-Gabe ging mit einer deutlichen Reduktion von CRS einher. Im Teclistamab-Arm trat CRS bei 8,9% der Patienten auf, im Talquetamab-Arm bei 28,5%. Schwere CRS-Ereignisse vom Grad 3 oder 4 wurden in keinem Arm beobachtet. Auch ICANS trat in keinem der beiden Arme auf.
Die Wirksamkeitsdaten reiften weiter aus. Im Teclistamab-Arm kam es bei 17 der Patienten zu einem Therapieabbruch meistens wegen Progression. Im Talquetamab-Arm waren zum Zeitpunkt des Updates noch keine Progressionsereignisse berichtet.

Sicherheit:
Das Sicherheitsprofil war insgesamt erwartungsgemäß. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall, Übelkeit und Neutropenie. Die häfigsten schweren Ereignisse (>=3) waren Neutropenie, Sepsis und Anämie. Im gesamten Kollektiv kam es zu einem tödlichen Ereignis, einer Sepsis im Teclistamab-Arm.
Infektionen traten auf, waren aber im Rahmen des ambulanten Konzepts handhabbar.
Monitoring war wichtig und schon geplant: Die Patienten mussten für 48 Stunden nach der Aufdosierung in der Nähe der Klinik bleiben, einen betreuenden Erwachsenen dabeihaben und in den ersten beiden Zyklen Temperatur und Sauerstoffsättigung zweimal täglich kontrollieren. Auf komplexe technische Überwachung wurde verzichtet.

Fazit:
Die wichtigste Botschaft ist das Prophylaktisches Tocilizumab vor der ersten Aufdosierung senkte die CRS-Rate deutlich, ohne die Sicherheit oder Wirksamkeit negativ zu beeinflussen. Die Daten sprechen dafür, dass bispezifische Antikörper mit diesem Vorgehen auch ambulant und in der gemeindenahen Versorgung eingesetzt werden können. Ein dritter Arm der Studie prüft nun, ob prophylaktisches orales Dexamethason eine sichere ambulante Gabe von Teclistamab ebenfalls unterstützen kann.

Dieser Bericht basiert vor allem auf der Präsentation während des Kongresses und berücksichtigt das offizielle ASCO-Abstract nur ergänzend.