PERSEUS-Studie: Langzeitergebnisse mit Dara-VRd bei TE-NDMM
Im Rahmen der PERSEUS-Studie (Phase 3) wurde untersucht, ob eine Kombination aus vier Medikamenten bei Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom, die für eine Stammzelltransplantation in Frage kommen, wirksamer ist als eine Kombination aus drei Medikamenten.
Verglichen wurden:
- DaraVRd-SCT-DR: Induktion mit Daratumumab, Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason + Stammzelltransplantation + Erhaltungstherapie mit Daratumumab und Lenalidomid
- VRd-SCT-R: Induktion mit Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason + Stammzelltransplantation + Erhaltungstherapie mit Lenalidomid
Einführung von Dr. Vincent Rajkumar
Fortschritte in der Myelombehandlung
Die Behandlung des Multiplen Myeloms hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verbessert. Früher wurden Patientinnen und Patienten vor allem mit Chemotherapie oder einer Stammzelltransplantation behandelt. Später zeigten Studien, dass Kombinationen aus drei Medikamenten besser wirken als zwei Medikamente.
Die PERSEUS-Studie gehört zu einer neuen Ära: Kombinationen aus vier Medikamenten, sogenannte Quadruplet-Therapien, verbesserten in mehreren Studien sowohl die Tiefe des Ansprechens als auch die Zeit ohne Krankheitsfortschreiten. Mit Dara-VRd und anschließender Erhaltungstherapie lebten in PERSEUS nach vier Jahren mehr als 80% der Patientinnen und Patienten ohne Fortschreiten der Erkrankung.
Auch andere Studien, darunter CEPHEUS und IMROZ, bestätigten, dass Vierfach-Kombinationen gegenüber Dreifach-Kombinationen vorteilhaft sein können. Heute gelten Vierfach-Kombinationen bei geeigneten Patientinnen und Patienten sowie eine anschließende Erhaltungstherapie als Standard.
Offene Fragen
Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin wichtige Fragen:
- Wie gut wirkt Dara-VRd langfristig, also über vier Jahre hinaus?
- Verbessert eine Vierfach-Kombination auch das Gesamtüberleben?
- Sollte die Erhaltungstherapie bei Patientinnen und Patienten mit Standardrisiko aus zwei Medikamenten bestehen – Daratumumab und Lenalidomid – oder reicht Lenalidomid allein?
- Wie lange sollte die Erhaltungstherapie gegeben werden? In PERSEUS konnte Daratumumab nach zwei Jahren gestoppt werden, wenn die MRD über ein Jahr negativ blieb.
- Wie wirken diese Behandlungen bei Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko?
Diese Fragen sollten durch die aktualisierten Langzeitergebnisse der PERSEUS-Studie beantwortet werden.
Dr. Pieter Sonneveld: "Langzeitergebnisse mit Dara-VRd vs. VRd bei TE-NDMM in der Phase-3-Studie PERSEUS"
Die Studie wurde vom European Myeloma Network gemeinsam mit J&J durchgeführt. Eine frühere Auswertung nach vier Jahren hatte bereits gezeigt, dass Dara-VRd zu tieferen und länger anhaltenden Remissionen sowie zu einem längeren Überleben ohne Krankheitsfortschreiten führte.
Was wurde diesmal untersucht?
In der neuen Auswertung wurden die Patientinnen und Patienten im Durchschnitt fast sieben Jahre lang beobachtet. Untersucht wurde, ob die tieferen und länger anhaltenden MRD-Negativitäten unter Dara-VRd auch zu einem länger anhaltenden Nutzen führen.
In der Studie konnten Patientinnen und Patienten unter Dara-VRd Daratumumab nach zwei Jahren Erhaltungstherapie absetzen, wenn ihre MRD über 12 Monate negativ geblieben war. Lenalidomid wurde weiterhin gegeben.
Ergebnisse: Wirkung
Nach fast sieben Jahren zeigte Dara-VRd weiterhin einen klaren Vorteil gegenüber VRd. Das Risiko für Krankheitsfortschreiten oder Tod war unter Dara-VRd um 58% geringer.
Nach sechs Jahren lebten 81,1% der Patientinnen und Patienten unter Dara-VRd ohne Krankheitsfortschreiten oder Tod (PFS), gegenüber 56,1% unter VRd. Der Median für die Zeit ohne Krankheitsfortschreiten war in der Dara-VRd-Gruppe nach dieser Beobachtungszeit noch nicht erreicht.
Der Vorteil zeigte sich in allen untersuchten Gruppen – unabhängig unter anderem von Alter, Anzahl der Vortherapien, Risikofaktoren und der Behandlungseinrichtung. Auch ältere Patientinnen und Patienten über 65 Jahre profitierten mit längerer Nachbeobachtungszeit von Dara-VRd.
Bei Patientinnen und Patienten mit Standardrisiko lebten nach sechs Jahren 88,3% ohne Krankheitsfortschreiten, gegenüber 62,8% unter VRd. Bei Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten waren es 55,0% gegenüber 33,4%.
MRD-Negativität
Unter Dara-VRd erreichten mehr Patientinnen und Patienten eine MRD-Negativität:
- 77,2% (10-5)
- 68,7% (10-6)
Auch Patientinnen und Patienten, die nach der Anfangsbehandlung noch keine MRD-Negativität erreicht hatten, konnten diese während der Erhaltungstherapie häufiger erreichen: Unter Dara-VRd wurden 63,4% (10-5) und 64,2% (10-6) MRD-negativ.
Die Raten für eine anhaltende MRD-Negativität über mindestens 12, 24 oder 36 Monate waren unter Dara-VRd durchweg höher. Fast drei von vier Patientinnen und Patienten unter Dara-VRd erreichten eine anhaltende MRD-Negativität über zwölf Monate. Dadurch konnten sie Daratumumab gemäß Studienplan absetzen.
Behandlung nach dem ersten Rückfall
Auch nach dem Beginn einer nächsten Behandlung blieb der Vorteil von Dara-VRd bestehen. Unter Dara-VRd begannen 14,2% der Patientinnen und Patienten eine nächste Behandlung, unter VRd waren es 39,2%.
Viele Patientinnen und Patienten in der VRd-Gruppe erhielten nach einem Rückfall anschließend Daratumumab. Trotzdem fiel das Überleben bis zum Fortschreiten unter der nächsten Behandlung (PFS2) zugunsten von Dara-VRd aus.
Gesamtüberleben
Auch beim Gesamtüberleben zeichnete sich ein Vorteil für Dara-VRd ab. Der Median wurde in beiden Gruppen noch nicht erreicht. Nach sechs Jahren lebten unter VRd 78% der Patientinnen und Patienten. Wegen der noch begrenzten Nachbeobachtungszeit ist der endgültige Überlebensvorteil noch nicht abschließend bewertet.
Ergebnisse: Sicherheit
Auch nach rund drei Jahren zusätzlicher Beobachtungszeit wurden keine neuen Sicherheitssignale beobachtet. Die längere Nachbeobachtung bestätigte damit das bekannte Sicherheitsprofil der Behandlung.
Was bedeutet das?
Die PERSEUS-Studie bestätigt, dass Dara-VRd mit anschließender Erhaltungstherapie zu besonders tiefen und langlebigen Remissionen führen kann. Die Vorteile zeigten sich auch dann, wenn Daratumumab nach anhaltender MRD-Negativität abgesetzt wurde.
Für Patientinnen und Patienten mit Standardrisiko könnte der PERSEUS-Behandlungsplan eine gute Grundlage sein. Bei Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten sind die Ergebnisse jedoch noch nicht zufriedenstellend; hier werden bessere oder intensivere Behandlungsstrategien benötigt.
Fragen an Dr. Sonneveld
1. Kann die Erhaltungstherapie nach zwei Jahren gestoppt werden?
Es ist dafür derzeit noch zu früh. PERSEUS gelte als Standardbehandlung, aber bei Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten könne man die Erhaltungstherapie vermutlich nicht nach zwei Jahren beenden. Möglicherweise müsse die Behandlung dort sogar intensiviert werden. Für Patientinnen und Patienten mit Standardrisiko sei der PERSEUS-Behandlungsplan wahrscheinlich eine solide Grundlage.
2. Was geschah nach dem Absetzen von Daratumumab wegen anhaltender MRD-Negativität, und wie oft musste Daratumumab wieder begonnen werden?
Die meisten Patientinnen und Patienten erhielten Daratumumab erneut, weil die MRD wieder nachweisbar wurde oder die Krankheit im Blut wieder aktiv wurde. Die genauen Ergebnisse dieser Patientinnen und Patienten wurden noch nicht separat ausgewertet, werden aber künftig genauer untersucht.
Kongress- und Quellenangaben
- Kongress
- IMS 2026
- Sitzungsart
- Plenarsitzung
- Sitzung
- Plenarsitzung
- Sitzungsdatum
- 25. September 2026
- Vorsitz
- Faith Davies und Saad Usmani
- Veröffentlicht auf Myelom Aktuell
- 18. Oktober 2026